KONZERNLAGEBERICHT
Gesamtwirtschaftliche Rahmenbedingungen
Weltwirtschaft im Sog der Finanzkrise
Für die Weltwirtschaft geriet das Jahr 2008 zu einem Alptraum.
Die konjunkturellen Perspektiven hatten sich aufgrund der
seit dem Sommer verschärften Finanzkrise gravierend verschlechtert.
Die Lage spitzte sich vor allem durch die Insolvenz
der US-Investmentbank Lehman Brothers im September
2008 dramatisch zu. In Medienberichten war die Rede von
einer Kernschmelze des Finanzsystems. Kräftige Kurseinbrüche
an den Aktienmärkten, der ungebremste Preisverfall risikobehafteter
Vermögenstitel sowie zeitweise trockengelegte Geldmärkte
haben den Druck auf die Banken immer weiter erhöht.
Dies führte in zahlreichen Ländern zu massiven staatlichen
Rettungsaktionen für einzelne Institute sowie zu milliardenschweren
Hilfsmaßnahmen für den gesamten Finanzsektor.
Als Folge der tiefgreifenden Vertrauenskrise an den internationalen
Finanzmärkten und negativer Vermögenseffekte
hat sich die konjunkturelle Talfahrt in der Realwirtschaft im
vierten Quartal 2008 beschleunigt, ohne dass seitdem ein
Wendepunkt in der Rezession erkennbar wäre. Die sprunghaft
gestiegene Risikoaversion hat dazu beigetragen, dass sich die
Finanzierungsbedingungen von Unternehmen trotz energischer
Zinssenkungen durch die Notenbanken seit Mitte 2008 erheblich
verschlechterten. Der globale Nachfragerückgang hat vor
allem die stärker exportorientierten Volkswirtschaften wie
Japan und Deutschland sowie einige Schwellenländer in
Mitleidenschaft gezogen. Besonders zu spüren bekamen dies
etwa Schlüsselindustrien wie die Automobilbranche und der Maschinenbau. Aber auch andere Sektoren verzeichneten seit
Herbst 2008 eine drastisch verringerte Kapazitätsauslastung
und fuhren daraufhin Neuinvestitionen massiv zurück.
Die konjunkturbedingten Preiskorrekturen bei Rohstoffen und Öl – die Rohölnotierungen stürzten von ihrem Höchststand im
Juli 2008 zwischenzeitlich um mehr als 70 % ab – reichten
nicht aus, um die negativen außenwirtschaftlichen Impulse zu
kompensieren. Immerhin sorgten insbesondere die sinkenden
Energiepreise zum Jahresende 2008 für einen signifikanten Rückgang der Teuerungsrate auf der Verbraucherebene. Die
dadurch gestärkte Kaufkraft verlieh dem privaten Konsum
eine gewisse Stabilität. Unterm Strich konnte dies jedoch den
weltweiten Konjunktureinbruch nicht wesentlich abmildern.
Europa in der Rezession
Die gesamtwirtschaftliche Produktion im Euroraum konnte im
Kalenderjahr 2008 wegen des guten Jahresauftakts noch um
0,8 % (Vj. 2,6 %) zulegen. In der zweiten Jahreshälfte hinterließ
die globale Rezession jedoch immer größere Bremsspuren
in Europa. Nach Angaben von Eurostat, dem statistischen Amt
der Europäischen Gemeinschaften, sank das reale Bruttoinlandsprodukt
(BIP) im vierten Quartal gegenüber dem Vorquartal
saisonbereinigt um 1,5 %. Das war der dritte Rückgang
in Folge, zugleich der stärkste seit Beginn der Europäischen
Währungsunion Anfang 1999. Das Niveau des
Vorjahres wurde um 1,3 % unterschritten.
Ausschlaggebend für die schrumpfende Wirtschaftsleistung
ist die scharfe Drosselung der Industrieproduktion als Reaktion
auf den Einbruch der Auftragseingänge. Diese lagen in der
Eurozone im Dezember 2008 um 22 % hinter dem Vorjahreswert
zurück. Auf der Verwendungsseite zeigte sich der konjunkturelle
Einbruch im vierten Quartal 2008 am deutlichsten
bei den Exporten, die im Vergleich zum Vorquartal um 7,3 %
deutlich stärker einbrachen als die Importe (minus 5,5 %). Die
Investitionen gaben 2,7 % nach. Die wachsenden Unsicherheiten
bezüglich der weiteren konjunkturellen Entwicklung und der
Perspektiven am Arbeitsmarkt belasteten im Schlussquartal
2008 auch die privaten Konsumausgaben, die gegenüber dem
dritten Quartal um 0,9 % zurückgingen. Innerhalb der Eurozone
fiel der Rückgang des realen BIP im vierten Quartal 2008
in Deutschland am kräftigsten aus, gefolgt von Portugal und
Italien. Zuwächse wurden nur noch in Zypern und Griechenland
verzeichnet. Die wirtschaftliche Talfahrt, die auch die
Konjunktur in den osteuropäischen EU-Mitgliedsstaaten
eingetrübt hat, wird sich nach Auffassung der Europäischen
Kommission noch mindestens bis Mitte 2009 fortsetzen.